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Rhythmisch präzise und von hoher Klangqualität

Samstag., 08. Juni 2013

"Projektorchester Würzburg" gestaltet umjubeltes Benefizkonzert der Rotary-Clubs Stiftland und Cheb

Es war mehr als nur ein Zeichen der guten Nachbarschaft. Mit stehenden Ovationen quittierten die Zuhörer die Film- und Musical-Musiken - dargeboten vom "Projektorchester Würzburg". Organisiert hatten das Benefizkonzert in Eger/Cheb die Rotary-Clubs Cheb und Stiftland.

Ein dualer Segen geht von diesem "Projektorchester Würzburg" aus: Zum einen vermittelt es musikalische Genüsse aus den Bereichen Film und Musical, die bis in die Tiefe unserer Seelenräume reichen; zum anderen müssen, nach den Klangergebnissen zu urteilen, diesem Klangergebnis eines symphonischen Blasorchesters musikpädagogische Höchstleistungen vorausgehen.

Ganzkörpersprache

Denn schon beim Bühnenauftritt im Kulturzentrum Svoboda in Cheb waren viele jugendliche Gesichter auszumachen. Und hinter diesem musikalischen Nachwuchs müssen unter viel eigenem Einsatz Musikpädagogen stecken, die unter jahrelanger Arbeit mit dieser Jugend erst das möglich machen, was die Zuhörer im vollen Kultursaal erleben durften. Dass der erst seit etwa zwei Monaten diesem Orchester vorstehende Dirigent Peter Leipold bei diesem Benefizkonzert seinen klaren professionellen Führungsanspruch in Ganzkörpersprache zur Geltung brachte, setzte in Cheb dieser musikalischen Langzeitarbeit die Krone auf. Deshalb ein Hoch auf dieses erstmalig in Tschechien gastierende Orchester. Der zweite Tusch gebührt den Idee-Inhabern und Organisatoren aus den veranstaltenden Rotary-Clubs Cheb und Stiftland, die mit diesem Benefizkonzert zugunsten der Grundkunstschule Cheb oder des clubeigenen Hilfsfonds in unserer Region den unmittelbaren Sinn gaben, und gleichsam im Hintergrund ein Beispiel deutsch-tschechischen Gemeinsinns auf dem Feld von Weltmusik verwirklichten. Die beiden Präsidenten Hubert Rustler und Jirí Pátek verstanden dies in ihren Begrüßungs- und Abschiedsworten auch treffend zum Ausdruck zu bringen.

Schon eingangs ließ die kurze frequenzmäßige Kontrolle mit zwei benachbarten Stimmtönen aufhorchen und Qualität erahnen. So war es dann auch mit "Mission Impossible Theme" von Lalo Schifrin in einem Arrangement von Toshio Mashima, wo rhythmische Präzision und vor allem das Empfindlichste eines solchen Klangkörpers sofort zu verorten waren: Die präzise Stimmung. Besonders im Holzbereich wäre bei diesen noch jugendlichen und üblicherweise oft noch nach Ansatzsouveränität strebenden Bläsern und Bläserinnen auch akustisches Leiden für die Zuhörer denkbar gewesen. Aber nein: Der reiche Klarinettenchor schrie nicht; er war höchst angenehm gesanglich wie die oft gleichzeitig erklingenden 8-Fuß-Register im 2. Manual der italienischen Orgel, die mit leichten Schwebungen Leben in ihre Tonverläufe bringen. Darüber hinaus boten die Hölzer, auch mit den Querflöten in ihren oft exponierten Lagen, die Oboe, Fagotte, Bassklarinette und Saxophonfamilie ein ausgeglichenes Gegengewicht zum gesamten Blechregister, das es - spannungsdienend wohldosiert - schon zu einigen Dezibel-As bringen konnte.

Jazziger Blechsound verbarg nicht irgendwelche Tonansatzschwächen, sondern wurde überlegen demonstriert bis hin zu den kapriolenbemessenen Waldhörnern. Die reichhaltige Percussion-Abteilung mixte präzise und relaxed ihre Farben und Metren in den Sound. Es wäre müßig, auf jedes Stück des ausgewogenen Programms einzugehen, durch das kurzweilig einer der Waldhornisten führte; es wurde einfach genau und mit Anmache musiziert. Das weltbekannte "My Way" - Frank Sinatra grüßte - oder der Titel zu "Out of Africa" ließen im Zurücklehnen den diffizilen symphonischen Sound eines Blasorchesters genießen. Zum Gegensatz zuckender Anspannung verleiteten Stücke wie die Musiken zu "James Bond 007" in einem Arrangement von Johan de Mey.

Drei Zugaben

Für Unerheblichkeiten, die man fachlich angestrengt herauspicken könnte, fände man nicht die alle Unwichtigkeit unterstreichenden Worte; dafür war dieses Konzert mit dieser Klangqualität aus vielen jungen Menschen viel zu schön. Das Publikum war begeistert und erklatschte sich mit drei Zugaben eine Verlängerung dieses genussvollen Abends.

Den Wunsch Hubert Rustlers nach guten musikalischen Karrieren aus dieser Künstlertruppe heraus könnte man auch als Appell an die öffentliche Bundesländer-Hand verstehen, bei solch einem musikalischen Nachwuchs die professionelle deutsche Orchesterstruktur auszuweiten und nicht durch Orchesterschließungen und -zusammenlegungen abzubauen. Die noch relativ reiche Orchesterlandschaft Tschechiens gäbe da durchaus ein Vorbild ab.

Text: Maximilian Schnurrer - oberpfalznet - Medienhaus Der neue Tag vom 08.06.2013