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Nur wenige Plätze blieben frei

Dienstag., 20. Januar 2015

Zwar spielte das Projektorchester Würzburg im Januar 2015 bereits zum fünften Male im Congress Centrum Würzburg, doch war die Anspannung unter den rund 70 Musikern wieder einmal groß, als es galt, vor einem nahezu komplett gefüllten Haus zu spielen. Das verwundert kaum, bedenkt man das Konzertprogramm, das gleich in mehrfacher Hinsicht das Orchester forderte und dieses Konzert einzigartig machen sollte. Eine Uraufführung, das Zusammenspiel mit Geiger Florian Meierott, Sergei Prokofjews „Leutnant Kijé“ und eine würdige Verabschiedung unseres Dirigenten Peter Leipold – dies und vieles mehr sollte den Abend zu einem besonderen machen.
Nach dem Eröffnungsstück, der Titelmusik von „Lawrence of Arabia“, das zu Beginn des Konzertes dem Orchester gleich die gesamte Klangvielfalt eines Symphonischen Blasorchesters entlockte, folgte sogleich das eigentliche Highlight des Konzertes, die Uraufführung – ja, man ließ das Publikum ungern warten. Der schottische Komponist John Glenesk Mortimer – der Mann, der seinen Namen schon auf zahlreichen Kompositionen für Blasorchester hinterließ – schrieb eigens für das Projektorchester Würzburg und den Geiger Florian Meierott das drei Sätze umfassende „El violin enamorado“. Mit Florian Meierott an der Geige und Mortimer im Publikum erklang die Komposition, die in drei Sätzen drei Tänze und drei Stimmungen repräsentiert, an diesem Abend erstmals in der Öffentlichkeit. Und Mortimer war begeistert, sogar so begeistert, dass er nicht nur den Blumenstrauß als Dankeschön auf der Bühne entgegennahm, sondern der lobenden Worte gar nicht genug fand. Anschließend wurde mit der Titelmusik zu „Schindlers Liste“ und dem für Geiger immer wieder reizvoll zu spielenden ungarischen Tanz „Csárdás“ Florian Meierott noch genügend Raum gegeben, seine Virtuosität zu präsentieren, bevor die Aufmerksamkeit wieder ganz dem Projektorchester gelten konnte. Und die brauchte das letzte Stück vor der Pause auch. Denn mit Prokofjews „Leutnant Kijé“ folgte eine ganz besondere Herausforderung für die Musiker. Die ursprünglich für Streichorchester komponierte Filmmusik zum gleichnamigen Film enthält derart viele Feinheiten, die von einem Blasorchester nur schwerlich umzusetzen sind. Doch die unzähligen Probenstunden allein für dieses Werk hatten sich gelohnt, Pannen gab es keine, alles lief glatt, auch die filigransten Passagen wurden gemeistert und das Orchester kann mit Stolz auf diese Leistung zurückblicken.
Nach dieser für das Projektorchester eher ungewöhnlichen ersten Konzerthälfte, mit nur wenigen bekannten Film- und Musicalmelodien, hatte sich das Publikum eine weniger fordernde zweite Hälfte redlich verdient. Das galt auch für die Musiker, obgleich der die zweite Hälfte eröffnende schwungvolle spanische Tanz „Danzon No. 2“ von Arturo Márquez die Fingerfertigkeit ganz schön herausforderte. Mit der im Swing beheimateten Musik des Musicals „A Chorus Line“ kamen aber letztendlich auch die Musiker auf ihre Kosten. Schwungvoll und locker konnte – und musste, schließlich ist es eine Swingnummer – musiziert werden. Diese Lockerheit spürte auch das Publikum und war begeistert. Im Anschluss bot das Medley des Soundtracks zu Disneys „The Hunchback of Notre Dame“ genau das, wofür das Projektorchester steht: bekannte und große Melodien, Vielfalt zwischen Romantik, Marsch und Walzer und eine großen Portion Erinnerungen an Kinoerlebnisse. Da ist es schade, dass mit der wohl jedem bekannten mal bedrohlich düsteren, mal heroischen und mal herzerwärmenden Musik der Verfilmung zu „The Lord of the Rings“ bereits das Ende dieses Konzertes eingeleitet wurde.
Während das Publikum im Anschluss lauthals Zugaben forderte, die es selbstverständlich auch bekam, blickten die Musiker des Orchesters schon wehmütig auf die vergangenen zwei Jahre mit ihrem Dirigenten Peter Leipold zurück. Denn für ihn war es das letzte Konzert als Dirigent des Projektorchesters Würzburg. Eine würdige Verabschiedung bekam Leipold nicht zuletzt mit dankenden Worten und einem Geschenk, sondern mit einer Zugabe, die er sich besonders gewünscht hatte: „The Second Waltz“ von Dimitri Schostakowitsch.