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Bernstein, Brooks, Batman, Bond – Bombastisches Jahreskonzert des Projektorchesters Würzburg 2014

Samstag., 11. Januar 2014

Das symphonische Blasorchester Projektorchester Würzburg begeistert am Samstag im Congress Centrum Würzburg mit Film- und Musicalmusik aus 100 Jahren Musikgeschichte vor über 1400 Zuschauern und Gästen aus regionaler und landesweiter Politik.

Besondere Momente kündigen sich oftmals auf kuriose Weise an. Zum Beispiel mit einer Ansage, die den Beginn der Veranstaltung mit 10 Minuten Verspätung ankündigt – weil der Besucherstrom an den Abendkassen nicht abreißt. Ein besonderer Abend sollte das 18. Jahreskonzert des Projektorchester Würzburg e. V. ja werden, dass hatten sich die 75 Musiker aus Würzburg und Umgebung zusammen mit ihrem Dirigenten Peter Leipold vorgenommen. Dazu hatten sie sich seit September 2013 zu wöchentlichen Proben, mehreren Dozententagen und auch einem Probenwochenende in Bad Kissingen zusammengefunden. Sie erarbeiteten ein anspruchsvolles Programm, welches den Zuhörer nicht nur durch mehrere Epochen des Broadway-Musicals, sondern auch durch eine Reihe Filmklassiker des 20. Jahrhunderts führte.
Eine Ouvertüre eröffnete nach klassischer Manier den Abend, aus der Operette „Candide“ von Leonard Bernstein. Am Broadway 1956 ur- und 1974 und 1997 wiederaufgeführt wurde es mit insgesamt zehn Tony-Awards ausgezeichnet und machte auch am Samstag Abend deutlich, warum Bernstein einer der erfolgreichsten Broadway-Komponisten aller Zeiten war. Ein fulminanter Einstieg, der sowohl die rasanten, aber auch ruhigen Momente des Konzerts schon andeutete. Johannes Keppner, der auf humorig-launische Art durchs Programm führte, begrüßte anschließend die Zuschauer, unter ihnen auch Landtagspräsidentin Barbara Stamm, Würzburgs Bürgermeisterin Marion Schäfer-Blake, MdL Kerstin Celina, einige Stadträte, sowie vom Nordbayrischen Musikbund Markus Schenk und Petra Kuhn und konfrontierte sie sogleich mit potentiellen Familienproblemen, die das Thema in „Fiddler on the roof“ von Jerry Bock sind. Hierzulande als „Anatevka“ bekannt, ist dies eines der erfolgreichsten Broadway-Musicals der Geschichte. Die Solistinnen Elena Erlenbach (Querflöte) und Katharina Deppisch (Klarinette) begannen melancholisch-schön die musikalische Erzählung des Milchmanns Tevye, die natürlich auch den Klassiker „Wenn ich einmal reich wär'...“ enthielt. Melancholisch ging es auch weiter, mit dem Tango „Oblivion“, Musik aus dem Film „Heinrich IV“ aus dem Jahr 1984. Simon de Marco trug als Solist an der Oboe die wehmütige Stimmung dieses Tango hervorragend bis in die letzten Zuschauerreihen hinein. Etwas lakonisch kündigte Johannes Keppner das drauf folgende Stück mit „Jetzt kommt Titanic“ an und bewies damit Publikumsgespür, provozierte er doch erfolgreich ein erwartungsvolles Raunen. Die Musik dieses zweiterfolgreichsten Blockbusters aller Zeiten beschränkt sich aber nicht nur auf Celine Dions „My heart will go on“, obwohl aus das nicht fehlen durfte. Sie enthält durchaus auch rasante Passagen, die sogar von dem recht ungewöhnlichen Instrument eines Ambosses aus der Schlagzeug-Reihe untermalt wurden. Peter Leipold, der unter dem Würzburger Professor für Dirigat und Orchesterleitung Ari Rasilainen einen Master-Studiengang belegt und unter anderem das Junge Schostakowitsch Ensemble leitet, formte an diesem Abend aus dem symphonischen Blasorchester eine Einheit und einen Klangkörper, der wunderbar melancholisch-zarte Seiten zeigte, aber dann auch anders konnte, als das Orchester mit Gustav Holsts „Mars, the bringer of war“ einen spannungsgeladenen und bombastischen Schlusspunkt zur ersten Konzerthälfte setzte.
Die zweite Konzerthälfte begann wieder am Broadway, aber so weit weg von der Ernsthaftigkeit und Tragik Bernsteins oder Bocks wie es nur geht. Mel Brooks zieht in „The Producers“ das Showgeschäft als ganzes und die Musical-Szene im Besonderen durch den Kakao und reißt dabei noch mal eben Hitlers „Drittes Reich“ mit. Die Produzenten Bialystock und Bloom wollen gezielt das schlechteste Musical aller Zeiten produzieren und dabei die Investoren-Gelder veruntreuen. Dafür stoßen sie auf das Drehbuch „Frühling für Hitler“ eines durchgeknallten Altnazis, lassen es von dem schlechtesten Regisseur inszenieren, den sie finden können und tun so ziemlich alles dafür, dass es ein Flop wird – aber der Flop wird als Satire auf Hitler zu einem Riesenerfolg. Den Wahnsinn dieses Plots in beinahe 20 langen Minuten musikalisch darzustellen stellte eine echte Herausforderung dar, die das Orchester mit Bravour meisterte. Broadway-Glamour, persiflierte deutsche Bräsigkeit, Slapstick und die große musikalische Geste stellte das Orchester meisterhaft dar, immer durchzogen von einzelnen solistischen Glanzleistungen. Vom Broadway ging es dann nach Bagdad. „Aladdin“ ist die Filmmusik zu Disneys gleichnamigen Zeichentrickklassiker von 1992, orientalisch angehaucht und fein swingend vom Projektorchester dargeboten. Zum nächsten Stück hinleitend stellte Johannes Keppner dann den „handwerklich begabten Teil des Orchesters“ vor, die beiden Schlagzeuger Adrian Beetz und David Kolmstetter. Für das mit fernöstlichen Klängen spielende, spannende Titelstück zum Batman-Remake „The Dark Knight“ hatten die beiden eigens eine sog. „Taiko“-Trommel in mühsamer Handarbeit angefertigt – aus einem alten Barrik-Fass. Zum Abschluss des offiziellen Konzertprogramms wurde es dann nochmal weihnachtlich. Zumindest vermeintlich, denn in Tim Burtons „The nightmare before christmas“ verläuft sich ein Skelett von Halloween in die Weihnachtszeit. Das Orchester jagte dem Publikum damit derart positive Schauer über den Rücken, dass dieses sich noch vor einer ersten Zugabe zu stehenden Ovationen von den Sitzen erhob und die Musiker auf der Bühne mit lauten Rufen und lang anhaltendem Applaus feierte. In diesem Moment offenbarte sich der angekündigte besondere Moment, den die Musiker sichtlich erfreut genossen. Das Publikum honorierte eine hervorragende Leistung mit nachdrücklichen Zugabe-Forderungen. Mit Bernsteins „Mambo“ aus „West Side Story“ konnte dann das Schlagzeug-Register noch einmal zu Hochform auflaufen. Die Titelmelodie zu „Batman“, dem Klassiker aus dem Jahre 1989, erzeugte noch einmal Spannung und schließlich beendete Adeles James Bond-Titel „Skyfall“ das Konzert und verabschiedete die begeisterten Zuschauer und die hochzufriedenen Musiker des Projektorchesters Würzburg.